Bildungsinhalte und Lehrpläne, Entwicklung von Schlüsselqualifikationen

Problembeschreibung

Politiker, Bildungseinrichtungen, Lehrpersonen und andere Akteure versuchen zu verstehen, auf welche Inhalte die begrenzte Bildungsphase von Schüler_innen verwendet werden sollte und welche Kompetenzen den größten Nutzen bringen. Kompetenzen sind eine Kombination aus Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Werten, die es dem Einzelnen ermöglichen, ein für sich selbst, sein Umfeld und die Gesellschaft insgesamt erfolgreiches Leben zu führen [1]. Die europäische Kommission empfiehlt die folgenden Schlüsselkompetenzen, die das Bildungssystem vermitteln sollte: muttersprachliche Kompetenz, fremdsprachliche Kompetenz, mathematische Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz, Computerkompetenz, Lernkompetenz – „Lernen lernen“ -, soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz, Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz, Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit [2] [3]. Diese Schlüsselkompetenzen sind notwendig für die persönliche Entfaltung und Entwicklung und ein funktionierendes Sozial- und Kulturleben, unabhängig von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Kultur, familiärem Hintergrund oder Klasse. Der Erwerb von Schlüsselkompetenzen sollte auf jeder Bildungsstufe im Zentrum des Lehrplans stehen und die Grundlage für dessen Entwicklung bilden.

Bildungspolitische Konsequenzen

Die Lehrpläne in Europa unterscheiden sich stark in Form und Inhalt sowie in Bezug auf ihr Verständnis von schulischer Ausbildung [4]. Auch welche Akteure in welcher Form an der Gestaltung von Lehrplänen beteiligt sind, ist von Land zu Land verschieden. Manche Staaten regulieren die Lehrpläne, legen Ziele fest und prüfen deren Erreichung durch zentrale Prüfungen, andere lassen den Schulen bei der Überwachung, Auswertung und Entscheidung mehr Freiheiten und Eigeninitiative. Die Inhalte von Lehrplänen werden meist von Regierungsstellen oder Lehrer_innen festgelegt, wobei jüngste Studien zeigen, das in einigen Ländern Eltern und Schüler_innen zunehmend an dem Entscheidungsprozess beteiligt werden [5]. Dennoch verfügen rund ein Drittel der EU-Länder nicht über eine umfassende Strategie für die Vermittlung der im Referenzrahmen der Kernkompetenzen genannten grundlegenden Fähigkeiten [6]. Querschnittskompetenzen, wie IKT, Unternehmertum, Bürgerkompetenz und soziale Kompetenz sind nicht voll in die europäischen Lehrpläne integriert und werden manchmal nur Schülern in höheren Bildungsstufen vermittelt. Schlechte Leistungen in den Schlüsselkompetenzen, d. h. in der Muttersprache, Mathematik, Wissenschaft und Technik, bleiben ein Problem, insbesondere in sozial benachteiligten Gruppen [6].  Obwohl zahlreiche Schüler_innen in den europäischen Bildungssystemen mehrsprachig sind, kommt es immer noch viel zu selten vor, dass das Bildungssystem die Sprachkenntnisse, die diese Kinder besitzen, weiter ausbauen [7]

Empfehlungen

Aus der Perspektive des lebenslangen Lernens sollten die Lehrpläne in jedem Bildungssystem den Erwerb der genannten Schlüsselkompetenzen gewährleisten. Außerdem ist es wichtig, die richtige Balance zwischen der Regulierung und Deregulierung von Lehrplänen zu finden. Der Staat sollte einen klaren und durchdachten Rahmen vorgeben, innerhalb dessen die Schulen und Lehrer eine gewisse Flexibilität und Autonomie genießen, selbst über Unterrichtsinhalte und Prüfverfahren entscheiden können und dabei die unterschiedlichen Bedürfnisse der jeweiligen Schülerschaft berücksichtigen können.  Bildungslehrpläne sollte ferner eine gewisse kulturelle Sensibilität und Strategien für den erfolgreichen Erwerb von Sprachen beinhalten [7].  Darüber hinaus muss die Politik gewährleisten, dass alle Schüler_innen, einschließlich der Schüler_innen aus sozial benachteiligten Gruppen, in den unteren Bildungsstufen bestimmte Grundfertigkeiten entwickeln und auch Zugang zum Erwerb von Querschnittskompetenzen erhalten [6].


[1] Hoskins, B.; Deakin Crick, R., ‘Learning to learn and civic competence to sides of the same coin?’ [Sind Lernen lernen und Bürgerkompetenz – zwei Seiten derselben Münze?], European Journal of Education Research, 45(1), 2010, pp.121-137.

[2] Looney, J.; Michel, A., KeyCoNet’s Conclusions and Recommendations for strengthening Key Competence Development in Policy and Practice: Final Report [Fazit und Empfehlungen von KeyCoNet zur Stärkung von Schlüsselkompetenzen in Politik und Praxis. Abschlussbericht], European Schoolnet, Brussels, 2014. PDF file

[3] Europäisches Parlament, Rat der Europäischen Union, Key Competences for Lifelong Learning – A European Framework [Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen – Ein europäischer Rahmen], Office for Official Publications of the European Communities [Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union], Luxemburg, 2007.

[4] Halasz, G.; Michel, A., ‘Key Competences in Europe: interpretation, policy formulation and implementation’ [Schlüsselkompetenzen in Europa. Interpretation, Politikgestaltung und Umsetzung], European Journal of Education, 46(3), 2011, pp. 289-306.

[5] Kuiper, W.; Berkvens, J., (eds), ‘Balancing curriculum regulation and freedom across Europe’ [Ausgleich von Regulierung und Freiheit bei der Lehrplangestaltung in Europa], CIDREE Yearbook 2013, Enschede, the Netherlands, SLO, 2013. PDF file

[6] Eurydice, Developing Key Competences at School in Europe: Challenges and Opportunities for Policy [Erwerb von Schlüsselkompetenzen in europäischen Schulen. Politische Chancen und Herausforderungen], Eurydice Report, Publications Office of the European Union [Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union], Luxemburg, 2012.

[7] ‘Content and Language Integrated Learning (CLIL)’ [Integrierter Fach- und Sprachunterricht (CLIL)], British Council, June 4, 2015. Web Link