Ethnische Zugehörigkeit und Kampf gegen Diskriminierung

Problembeschreibung         

Kein Mensch und keine Gruppe sollte aufgrund der sozialen Klasse, ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, des Alters, einer Behinderung, des Lebensentwurfs oder Berufs, der Sprache oder Rasse nachteilig behandelt werden. Überall in der EU gibt es spezielle Rechtsvorschriften und Verfahren, mit denen die Diskriminierung bestimmter Personen und Gruppen bekämpft und rechtlich verfolgt werden kann. Im letzten Jahrzehnt hat die Europäische Union große Anstrengungen unternommen, um einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Kampf gegen Diskriminierung zu schaffen. Trotz dieses starken Rechtsrahmens gibt es jedoch Probleme bei der Umsetzung. Es gibt immer noch viele Formen der Diskriminierung, insbesondere aufgrund der ethnischen Herkunft. So ist ethnische Herkunft immer noch der am häufigsten genannte Diskriminierungsgrund in der EU [1].

Bildungspolitische Konsequenzen

Dies gefährdet die Durchsetzung der grundlegenden Menschenrechte, einschließlich des Rechts auf Bildung. Dann werden womöglich bestimmte Schülergruppen (z. B. Roma) von hochwertiger Bildung ausgeschlossen, weil sie auf Druck anderer Eltern nicht in bestimmten Schulen aufgenommen oder in „Sonderschulen“ oder ethnisch segregierten Klassen zusammengefasst werden [2] [3]. Die zunehmende Zahl von Einwanderern und Flüchtlingen setzt den Grundsatz der Gleichbehandlung im Bildungswesen weiter unter Druck. Daten zeigen, dass Einwandererkinder in der Schule schlechtere Leistungen zeigen und häufiger die Schule abbrechen als ihre Klassenkameraden ohne Migrationshintergrund [4] [5] [6]. Zu den Gründen gehören ein ungenügendes Diversitätsmanagement der Schulen, Sprachprobleme, fehlende Unterstützung und Beachtung dieser Kinder im Unterricht, kulturelle Unterschiede zwischen Elternhaus und Schule sowie Vorurteile der Lehrer_innen gegenüber Flüchtlingen und Migranten [7] [8]. Die Bekämpfung von Diskriminierung im Bildungswesen ist aber auch deshalb so schwierig, weil viele Menschen ihrer Rechte nicht kennen und Diskriminierungsfälle häufig gar nicht gemeldet werden. Auch das Fehlen von Gleichstellungsdaten, deren Erhebung in die Kompetenz der Mitgliedstaaten fällt, macht es schwierig, Diskriminierungsfälle quantitativ und qualitativ zu analysieren [9].

Empfehlungen

Es gibt viele faktengestützte Empfehlungen zu möglichen Strategien im Kampf gegen Diskriminierung im Bildungswesen. So müssen Schulleiter_innen und Lehrer_innen durch eine angemesse berufliche Aus- und Weiterbildung in die Lage versetzt werden, in der Schule insgesamt und in den einzelnen Klassen bewährte Verfahren des Diversitätsmanagements umzusetzen [10] [11]. Es sind bessere Unterrichtsmethoden auf allen Bildungsstufen erforderlich, die die sprachlichen und kulturellen Unterschiede zwischen den Schüler_innen berücksichtigen, kulturelle und geschlechtsspezifische Probleme erkennen, Toleranz und sozialen Zusammenhalt fördern und angemessen auf benachteiligte Schüler_innen mit oder ohne Lern- oder Verhaltensproblemen eingehen [7] [11] [12]. Auch die Lehrpläne sollten so überarbeitet werden, dass sie die Vielfalt innerhalb der Schülerschaft besser widerspiegeln. Außerdem müssen die Bildungssysteme flexibler werden, damit Schulen unterschiedliche Lerntypen mit Hilfe von Lernhilfen und speziellen Angeboten unterstützen, Eltern und Umfeld in den Lernprozess einbeziehen und den Unterricht individueller gestalten können [10]. Um gleiche Bildungschancen für alle Schüler_innen und Studierenden zu gewährleisten, muss allen Kindern zum einen bereits der Zugang zu frühkindlicher Bildung und Betreuung ermöglicht und zum anderen ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem angeboten werden. Dazu ist auch weitere Forschung nötig, die eine solide Faktengrundlage über bestehende Formen und Arten der Diskriminierung, den Stand der Inklusion und den Bildungserfolg aller Schüler bereitstellt.


[1] TNS Opinion & Social im Auftrag der Europäischen Kommission, Generaldirektion Justiz, ‘Discrimination in the EU in 2012’ [Diskriminierung in der EU im Jahr 2012], Special Eurobarometer 393, 2012. PDF file

[2] Kjaerum, M., Exclusion and discrimination in education: the case of Roma in the European Union [Ausgrenzung und Diskriminierung im Bildungssystem:  Roma in der Europäischen Union], Rede am 8. April 2013 auf einer Konferenz über Probleme der Roma an der Harvard University zur Feier des Internationalen Tages der Roma, 2013. Web Link

[3] Kertesi, G., Segregation in the Primary School System in Hungary, Causes and Consequences [Segregation im ungarischen Primarschulsystem, Ursachen und Auswirkungen], Roma Education Fund, 2015.

[4] OECD [Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung], Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools [Chancengleichheit und Qualität in der Bildung: Unterstützung benachteiligter Schüler und Schulen], OECD Publishing, Paris, 2012.

[5] Schnepf, S. V., Inequality of Learning amongst Immigrant Children in Industrialised Countries [Ungleiche Lernerfolge von Einwandererkindern in Industrieländern], S3RI and IZA Discussion Paper No. 3337, University of Southampton, 2008.

[6] OECD [Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung], Untapped Skills. Realizing the Potential of Immigrant Students [Ungenutzte Talente. Das Potenzial von Schülern mit Migrationshintergrund erkennen], OECD Publishing, Paris, 2012.

[7] EADSNE [Europäische Agentur für Entwicklung in der sonderpädagogischen Förderung], Inclusive education and classroom practice, Integrative Schulbildung und Unterrichtspraxis, Summary report [Abschlussbericht], 2003. PDF file

[8] OECD [Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung], PISA 2012 Results: Excellence through Equity. Giving every student the chance to succeed, [Ergebnisse zu PISA 2012: Exzellenz durch Gleichstellung – jedem Schüler eine Chance auf Erfolg], Band II, OECD Publishing, Paris, 2012.

[9] Europäische Kommission, Joint Report on the application of Council Directive 2000/43/EC of 29 June 2000 implementing the principle of equal treatment between persons irrespective of racial or ethnic origin (‘Racial Equality Directive’) and of Council Directive 2000/78/EC of 27 November 2000 establishing a general framework for equal treatment in employment and occupation (‘Employment Equality Directive’) [Gemeinsamer Bericht über die Anwendung der Richtlinie 2000/43/EG des Rates vom 29. Juni 2000 zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft („Richtlinie zur Rassengleichheit“) und der Richtlinie 2000/78/EG des Rates vom 27. November 2000 zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf („Gleichbehandlungsrichtlinie für den Bereich Beschäftigung“)], COM(2014) 2 final, 2014. PDF file

[10] European Agency for development of Special Needs Education [Europäische Agentur für sonderpädagogische Förderung und inklusive Bildung], Teacher Education for InclusionChallenges and Opportunities [Lehrerweiterbildung im Bereich Inklusion – Herausforderungen und Chancen], Europäische Agentur für Entwicklung in der sonderpädagogischen Förderung (EADSNE), Odense, Dänemark, 2011.

[11] Roma Education Fund, Making Desegregation Work! A Desegregation Toolkit Developed by the Roma Education Fund [So funktioniert Desegregation! Toolkit des Roma Education Fund für Desegregation], 2015.

[12] OECD [Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung], Teachers Matter. Attracting, Developing and Retraining Effective teachers [Lehrer machen den Unterschied. Gute Lehrkräfte rekrutieren, ausbilden und weiterbilden], OECD Publishing, Paris, 2005.