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03.

Inklusion und Nicht-Diskriminierung von Gruppen, die bei der allgemeinen und beruflichen Bildung benachteiligt sind

Problembeschreibung

Große Unterschiede bei Bildungschancen und Bildungsleistung gibt es nicht nur zwischen den EU-Mitgliedstaaten, sondern auch innerhalb der Länder und Regionen. In vielen Regionen und Städten gibt es in bestimmten Gegenden eine Konzentration von Bildungsnachteilen, durch die sich ein Kreislauf der Benachteiligung verfestigt. Der Zugang zu Lernangeboten, schulischer Erfolg und Chancen auf eine höhere Bildung und Fortbildung sind in der EU weiterhin sozial und räumlich ungleich verteilt. In vielen Fällen machen die Bildungssysteme der Mitgliedstaaten die Sache schlimmer – durch ungleich verteilte finanzielle und andere Mittel und damit weniger attraktive und bereichernde Lernumgebungen für bestimmte Zielgruppen. Alle europäische Bildungssysteme sind – mehr oder weniger – von Ungleichheit geprägt. Bildungschancen, Schulerfahrung und Bildungserfolg sind immer noch stark von Faktoren wie dem sozioökonomischen Hintergrund, Behinderung, ethnischer Zugehörigkeit oder Migrationshintergrund, Geschlecht oder dem geografischen Standort abhängig. Bestimmte soziale Gruppen oder Bevölkerungsteile erreichen durchgehend einen geringeren Bildungsabschluss – oft trotz politischer Initiativen, mit denen die Chancengleichheit verbessert werden soll.

Bildungspolitische Konsequenzen

Dieses Missverhältnis spiegelt die allgemeine soziale Ungleichheit wieder und verstärkt sie gleichzeitig. Und es schadet einzelnen Menschen, der Wirtschaft und dem sozialen Zusammenhalt. Wir brauchen politische Strategien zur Lösung dieses Problems. Aktuelle Daten der OECD[1] und andere Quellen[2] zeigen, dass Gleichbehandlung in der Bildung gute Lernerfolge und Spitzenleistungen nicht ausschließt. Die Daten zeigen auch, dass die Länder mit den besten Ergebnissen ihre Bildungsressourcen besonders ausgeglichen auf begünstigte und benachteiligte Schulen verteilen. Bildungssysteme, die für alle Schüler_innen hohe Qualitätsstandards gewährleisten, individualisierte und inklusive pädagogische Ansätze fördern, frühzeitig auf Probleme reagieren und dabei gezielt benachteiligte Schüler_innen unterstützen, sind starke Motoren der sozialen Eingliederung.

Empfehlungen

Bei der Lösung dieses Problems sind nicht alle Mitgliedstaaten gleich erfolgreich. Dies zeigt, dass einige Bildungssysteme einen höheren Grad der Inklusion und Chancengleichheit bieten als andere. Die Maßnahmen, mit denen die Inklusionsziele erreicht werden können, sind daher auch für jedes Bildungssystem anders. Auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene müssen Verfahren entwickelt werden, mit denen der Lehrkörper für den Aufbau und Erhalt einer inklusiven Schulkultur engagiert werden kann. Wenn Inklusion gelingen soll, brauchen wir eine hochwertige Aus- und Fortbildung von Lehrern[3]. Eine weitere Möglichkeit, die Situation benachteiligter Gruppen zu verbessern, besteht darin, segregierte Schulen zu verhindern. „Gesteuerte Wahlfreiheit“ ist eine der wenigen Strategien, mit denen der Wunsch der Eltern, ihre Kinder auf die beste Schule zu schicken, und das politische Ziel, Segregation zu vermeiden, in Einklang gebracht werden können[4]. Bei einer „gesteuerten Wahlfreiheit“ entscheidet die Schulbehörde im Rahmen eines sorgfältig entwickelten Plans anhand von sozialen Indikatoren und Computeralgorithmen, welche von drei angegebenen Wunschschulen jedes Kind besuchen darf. Es gibt überzeugende Beispiele dafür, dass dieses System in Kombination mit zielgerichteten Maßnahmen für Schüler_innen mit speziellem Förderbedarf die schulischen Leistungen verbessern können. Länder, die das Ziel einer inklusiven und hochwertigen Bildung kohärent auf allen politischen Ebenen und unter Einbeziehung aller relevanten Akteure verfolgen, werden ihre bildungspolitischen Ziele am ehesten erreichen.